Warum wir draußen zur Ruhe kommen
Es beginnt oft noch laut. Der Kopf ist voller Gedanken, der Blick rastlos.

Auf der Suche nach Ruhe, Entspannung oder Antworten finden viele Menschen instinktiv den Weg nach draußen ins Grüne. Schon nach kurzer Zeit – wenn der Wind Dir um die Nase weht oder die Geräusche eines Waldes hörbar werden – wirst Du ruhiger. Ein Spaziergang im Wald bildet einen klaren, wohltuenden Kontrast zu unserem modernen Alltag.
Die Natur schenkt uns einen Raum, in dem wir Kraft schöpfen und uns selbst begegnen können. In diesem Beitrag erfährst Du, wie Naturcoaching Dich in Deiner Genesungsphase unterstützt und wie Du die heilsamen Kräfte der Natur jederzeit für Dich nutzen kannst.
Vom Getrenntsein zum Verbundensein
Viele Menschen erleben heute bewusst oder unbewusst eine Entfremdung von der Natur. Häufig wird eine Gegenüberstellung konstruiert – „der Mensch und die Natur“ –, dabei sind wir schon immer Teil dieser Welt und in ihr verwurzelt. Verglichen mit anderen Lebewesen ist unser Einfluss auf die Umwelt jedoch groß, und die daraus folgenden Veränderungen stellen uns wiederum vor neue Herausforderungen.
Naturcoaching bietet einen direkten, einfachen Weg, diese Verbindung wieder erfahrbar zu machen. Du erhältst Einblicke in die wissenschaftlichen und praktischen Grundlagen der Arbeit in der Natur, entdeckst, wie etwa Waldbaden wirkt und welche gesundheitlichen Effekte möglich sind. Abschließend gibt es einen Quick-Tipp für Deinen Alltag.
Sanftes Innehalten: Ein Moment für Dich

Nimm Dir, wenn Du magst, einen Augenblick: schließe die Augen oder lass den Blick weich werden und rufe Dir einen Waldspaziergang in Erinnerung. Spüre den Boden unter den Füßen, atme den Duft von Erde und Harz ein, höre das leise Rauschen der Blätter — nimm einen langen, bewussten Atemzug und bleibe für einen Moment bei diesem Empfinden.
Was passiert in Körper und Geist, wenn wir draußen sind – und welche Kräfte macht sich therapeutisches Arbeiten in der Natur zunutze?
Die Antwort liegt in einer ganzheitlichen Perspektive auf den Menschen, die zunehmend auch in der Medizin an Bedeutung gewinnt. Der Mensch wird nicht isoliert betrachtet, sondern als eng mit seiner Umgebung verwobenes Wesen, dessen Innenleben von komplexen physiologischen, psychischen und sozialen Prozessen gesteuert wird.
Erkrankungen lassen sich selten auf eine einzige organische Ursache zurückführen; vielmehr wirken biologische, psychische und soziale Faktoren zusammen. Daraus folgt: Umweltbedingungen – und hier besonders natürliche Umgebungen – können das Wohlbefinden und die Gesundheit aktiv mitbestimmen.
Ein Erklärungsansatz ist die Biophilia-Perspektive. Der Biologe Clemens G. Arvay beschreibt in seinem Buch „Der Biophilia-Effekt“ (2015), wie Naturerfahrungen Beschwerden lindern oder heilen können. Die Verbindung „zum Lebendigen“ fördert Erholung, reduziert Stress und unterstützt regenerative Prozesse – wodurch sich konkrete therapeutische Effekte entfalten lassen. Wie stark diese Wirkung ist, hängt aber auch von persönlichen Erfahrungen, der Kultur und der konkreten Situation ab.
Natur und Gesundheit:
Welche Effekte sind möglich?
Du musst nicht spirituell sein, um die Wirkung des Waldes zu spüren. Schon wenige Schritte ins Grüne – bewusst gegangen – können einen Unterschied machen. Die Natur wirkt oft ganz ohne Worte, ganz ohne Messwerte.
Und doch gibt es inzwischen eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Studien, die zeigen: Natur tut gut (Friedmann et al., 2018; Li, 2010).
Die Praxis des Waldbadens, auch Shinrin Yoku genannt, hat ihre Wurzeln in Ostasien und wurde in den 1980er-Jahren in Japan neu belebt. Dort entstand ein eigener Forschungszweig, der sich mit den gesundheitlichen Effekten des Aufenthalts in der Natur beschäftigt. 1982 wurde das erste staatlich geförderte Gesundheitsprogramm für Waldbaden eingeführt (Park et al., 2010).
Studien zeigen Hinweise auf
positive körperliche Reaktionen, darunter:
- eine Senkung von Blutdruck und Puls (Tsunetsugu et al., 2007)
- eine Verminderung von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin (Song et al., 2014)
- eine Aktivierung des Immunsystems, z. B. durch mehr natürliche Killerzellen (Li et al., 2008)
- eine veränderte Genexpression, etwa bei Anti-Krebsproteinen (Li, 2010)
- eine erhöhte Herzratenvariabilität – ein Zeichen für Regeneration und innere Ruhe (Park et al., 2009)
Diese Ergebnisse sind vielversprechend – aber sie ersetzen keine medizinische Behandlung. Einige Studien haben methodische Schwächen, etwa kleine Stichproben oder fehlende Kontrollgruppen. Dennoch zeigen sie eine klare Tendenz: Der Aufenthalt in der Natur wirkt beruhigend, stärkend und regulierend (Bratman et al., 2012).
Und das spürst du oft ganz ohne Laborwerte. Düfte wie Terpene aus Nadelbäumen oder das erdige Petrichor nach Regen lösen bei vielen Menschen ein Gefühl von Ruhe und Geborgenheit aus. Der Atem wird tiefer, die Gedanken klarer, der Körper entspannt sich (Li et al., 2009).
Im Naturcoaching nutzen wir diese Wirkung gezielt. Die Natur wird zum unterstützenden Raum, in dem Bewegung, Sinneswahrnehmung und Reflexion ineinandergreifen. Du musst dafür nicht stundenlang wandern oder in abgelegene Wälder fahren. Auch ein kleiner Park, ein Baum am Wegesrand oder ein Stück Wiese können reichen – wenn Du bereit bist, Dich berühren zu lassen.
Das Ziel ist nicht Heilung, sondern:
- Stärkung Deiner Selbstwahrnehmung
- Förderung von Klarheit und innerer Ruhe
- Aktivierung Deiner Ressourcen und Handlungsspielräume
Die Natur bietet dafür einen Rahmen, der Dich trägt, ohne zu bewerten. Sie ist da – leise, lebendig und voller Impulse. Und manchmal reicht genau das, um wieder in Kontakt mit dir selbst zu kommen.
Mein Weg: Wie die Natur für mich zur Coachin wurde
Lange vor meiner akuten Erkrankung und meiner heutigen Arbeit war Zeit im Grünen eher ein Luxus oder eine Sehnsucht. Ich verbrachte die meiste Zeit in Innenräumen und vor digitalen Geräten. Einzige Ausnahme bildete die Zeit, als mein Kind noch klein war. Damals wurde Draußensein zur Selbstver-ständlichkeit, zum gemeinsamen Entdecken – daran habe ich viele schöne Erinnerungen.
Sämtliche Gegenstände waren für mein Kind eine Neuentdeckung, und die Begeisterung war oft einfach ansteckend. Doch meine kindliche Offenheit ging auch wieder verloren, oder ich schob sie bewusst beiseite.
Vom Entdecken zum Optimieren
Die Spaziergänge wurden zu Joggingrunden mit Zielzeiten, und der Blick wanderte mehr zur Smartwatch als in meine Umgebung. Natürlich ist das im Laufsport nicht ungewöhnlich, aber ich bin keine passionierte Läuferin – vielmehr war es ein Versuch, meinem Leistungsgedanken gerecht zu werden.
Mit meinem Kind hatte ich die Berechtigung gespürt, einfach nur mit offenen Augen und Geist langsam, wirklich langsam 😉umherzuziehen. Aber für mich allein und bei den ganzen drängenden Erledigungen?
Ich verschob die Prioritäten – ein Umstand, der Dir vielleicht auch bekannt vorkommt.
Die Rückkehr zur Selbstfürsorge
Mit der eigenen Erfahrung der Erkrankung kehrte auch mein Verständnis für Selbstfürsorge zurück. Nicht nur das: Ich war es mir wieder wert und genoss die Zeit im Grünen, wenn es meine gesundheitliche Verfassung zuließ.
Die Natur wurde zu meiner Coachin, und ich nutzte diesen Raum in vollen Zügen. Erst zur Entspannung, dann auch als Spiegel meiner Seele und für die Reflexion. An keinem Ort sind Achtsamkeitsübungen für mich so einfach und so schön.
Nähe zur Natur
Bäume umarmt habe ich nicht, aber ich habe sie intensiv gefühlt – die Rinde erspürt, mich angelehnt und auch mit ihnen gesprochen, zumindest leise 😉.
Ich habe „gezeichnet“ und geschrieben. Die Bilder, die sich mir zeigten, habe ich wahrgenommen und damit gearbeitet. Ich bin mutiger geworden und sogar auf Bäume geklettert – trotz Höhenangst.
Natur wirkt unterschiedlich
Natürlich habe ich Wissen durch Fortbildungen und Recherche erworben und dabei auch selbst festgestellt, dass Naturräume nicht homogen wirken. Im Wald fühle ich mich entweder entspannt oder – je nach Vegetation – auch demütig. Kann der Blick in die Weite schweifen, stellen sich oft Ruhe und Klarheit ein.
Einfach rausgehen
Für mich persönlich überlege ich selten lange, wohin ich gehe. Und das solltest Du auch nicht tun. Such nicht nach dem perfekten Ort oder dem besten Wetter – arbeite mit dem, was sich Dir zeigt, selbst wenn Du nur ein paar Schritte vor Deine Haustür gehen kannst. Es muss nicht gleich ein ganzes Waldgebiet sein.
Auch das wiederholte Aufsuchen desselben Gebiets ist kein Problem. Erstens betrittst Du niemals exakt denselben Wald wie zuvor – denn der Wald ist in Bewegung und bietet immer etwas Neues. Zweitens darfst Du Deiner Intuition vertrauen. Bleibe im Hier und Jetzt.
Was fällt Dir heute auf und warum?
Welche Gedanken und Gefühle zeigen sich genau jetzt?
Ganzheitliches Naturerleben
Arbeiten in der Natur ist ein ganzheitlicher Prozess, bei dem Bewegung, Sinneswahrnehmung und Achtsamkeit ineinandergreifen. Das Gehen in der Natur öffnet neue Perspektiven – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Der Körper kommt in Bewegung, der Geist wird frei, und die Natur wird zum Spiegel innerer Prozesse.

So arbeite ich in der Natur:
Methoden und Übungen im Naturcoaching
Eine einheitliche, wissenschaftlich verbindliche Definition von Naturcoaching gibt es nicht. Seit mehreren Jahrzehnten wird die Natur jedoch zunehmend als vielseitiger Arbeitsraum in therapeutischen und beratenden Tätigkeiten genutzt. Aus diesem Praxisfeld haben sich unter dem Sammelbegriff „Green Care“ verschiedene Ansätze entwickelt, die je nach Zielsetzung und Kontext sehr unterschiedlich erlebt und angewendet werden.
In meiner Arbeit nutze ich die Natur und das Draußensein als „weiten Raum“. Ich begleite Dich in dieser Umgebung und verbinde klassische Coaching-Elemente mit bewegungsorientierten Interventionen, zum Beispiel:
- achtsame Wahrnehmungsübungen (hören, fühlen, riechen, sehen)
- Geh- oder Sitzsequenzen an sorgfältig gewählten Orten
- Arbeit mit Resonanzobjekten aus der Umgebung
- angeleitete Reflexion und Transfer in den Alltag
- Urbewegungen, achtsame Kraftübungen
Das Setting (Ort, Zugänglichkeit, Sicherheitsaspekte) wähle ich methodisch und angepasst an die Zielsetzung sowie Deine gesundheitliche Verfassung aus. Naturcoaching ist weniger ein einzelnes Werkzeug als ein prozessorientiertes Format, das die regulierenden, stimulierenden und metaphernreichen Qualitäten von Naturräumen nutzt, um Selbstwahrnehmung, Handlungsfähigkeit und Erholung zu fördern.
Was brauchst Du für einen Aufenthalt in der Natur?
Nach einer Erkrankung kann der Weg zurück ins Draußensein eine wohltuende, aber auch sensible Erfahrung sein. Es geht nicht um Leistung, sondern um Verbindung — mit Dir selbst und mit der Umgebung. Du brauchst keine spezielle Ausrüstung, aber ein paar Dinge können hilfreich sein:
- Bequeme Kleidung, die dich schützt und in der Du dich wohlfühlst (je nach Wetter: atmungsaktiv, warm, wasserabweisend)
- Gutes Schuhwerk, das Dir sicheren Halt gibt, auch auf unebenem Boden
- Mobiltelefon, für den Notfall oder zur Orientierung — aber sonst lieber in der Tasche lassen
- Mücken- und Zeckenschutz, besonders in Waldgebieten oder hohem Gras
- (ggf.) Erste-Hilfe-Täschchen, wenn Du dich sicherer fühlst
- (ggf.) Proviant, falls Du länger unterwegs bist oder eine Pause mit Tee und Snack genießen möchtest
- Etwas zu trinken, gerade bei wärmeren Temperaturen
- Optional: Sitzunterlage, Tuch oder kleines Notizbuch, wenn Du verweilen, schreiben oder reflektieren möchtest
Und vor allem: eine innere Erlaubnis, langsam zu gehen, Pausen zu machen, dich treiben zu lassen. Du musst nichts erreichen. Du darfst einfach da sein.
Beginne mit kurzen, erreichbaren Orten — ein Park, ein Weg am Wasser, ein kleines Waldstück. Wichtig ist nicht die Größe des Ortes, sondern Deine Bereitschaft, dich darauf einzulassen.
Was Du im Blick behalten solltest
- Ein kurzer Blick aufs Wetter hilft bei der Planung – bei Sturm oder Gewitter lieber nicht in den Wald. Auch in den Tagen nach einem Sturm ist Vorsicht geboten, da Äste oder Bäume instabil sein können.
- In (Natur-)Schutzgebieten ist es sinnvoll, auf den Wegen zu bleiben – zum Schutz der Umgebung und Deiner eigenen Sicherheit.
- Verlasse Deinen Waldplatz immer so, wie Du ihn vorgefunden hast – achtsam und respektvoll.
Quick-Tipp:
Finde Deinen Baum zum Anlehnen

Du hast einen langen Weg hinter Dir. Vielleicht macht Dir die Zukunft Sorgen. Vielleicht spürst Du die Sehnsucht nach einem Moment des Loslassens.
Geh raus. Such Dir einen Baum mit kräftigem Stamm – einen, der Dich anspricht. Vielleicht kannst Du Dich auch setzen.
Lehn Dich an. Wenn Du magst, schließe die Augen. Nimm Dir einen Moment. Halte inne.
Spüre den Stamm des Baumes an Deinem Rücken. Stell Dir vor, wie er Dich stützt – ruhig, kraftvoll, verlässlich.
Er steht schon lange an diesem Ort. Nichts wirft ihn um. Seine Kraft ist da – und Du darfst sie aufnehmen.
Stell Dir vor, wie Du Deine Anspannung Stück für Stück in den Boden sinken lässt.
Vielleicht magst Du Dir vorstellen, dass der Baum Dir etwas abgibt: Stabilität, Ruhe, Erdung.
Du kannst Dir auch innerlich sagen: „Ich darf mich anlehnen. Ich muss gerade nichts halten.“
Die Übung funktioniert auch im Stehen.
„Bald findest Du auf meinen Seiten eine Audioversion sowie kleine Übungen und Impulse zum Mitmachen – begleitet von einem Newsletter mit weiteren Inspirationen. Es lohnt sich also, wieder vorbeizuschauen.“
Wichtiger Hinweis:
Wo hat Naturcoaching seine Grenzen?
Coaching in der Natur kann eine wertvolle Unterstützung sein – besonders in Zeiten der Neuorientierung, der Verarbeitung oder des inneren Wachstums. Aber nicht in jeder Lebenslage ist es das passende Angebot.
Wenn Du Dich in einer akuten Krise befindest oder unter einer schweren psychischen Erkrankung leidest, ist Coaching nicht geeignet. Auch bei akuten körperlichen und/oder psychischen Beschwerden braucht es zuerst medizinische oder therapeutische Begleitung.
Naturcoaching kann ergänzen – aber nicht ersetzen.
Und wenn Du Dich akut belastet fühlst, wende Dich bitte an weitere professionelle Stellen.
Ein paar hilfreiche Adressen und Nummern (nicht abschließend, kein Ersatz für Beratung):
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenfrei, anonym, rund um die Uhr)
- www.telefonseelsorge.de – auch mit Chat- und Mailangebotwww.deutsche-depressionshilfe.de – mit Selbsttest und Kriseninformationen
- www.frauen-gegen-gewalt.de – Hilfe bei Gewalt und Bedrohung
Du bist nicht allein. Und Du musst nichts allein schaffen.
zum Weiterlesen, zum
Hören oder zum Anschauen:
Im Folgenden findest Du alle verwendeten Quellen – mit Verlinkung, sofern sie kostenfrei zugänglich sind. Zu den Studien kannst Du auf den kleinen Pfeil klicken: Dort findest Du eine kurze Zusammenfassung, die Dir einen schnellen Überblick gibt.
Bratman, G. N., Hamilton, J. P., & Daily, G. C. (2012). The impacts of nature experience on human cognitive function and mental health. Annals of the New York Academy of Sciences, 1249, 118–136.
Diese Publikation beleuchtet den Einfluss von Naturerfahrungen auf die menschliche Kognition und psychische Gesundheit. Anhand existierender Studien, Quasi‑Experimente und korrelativer Befunde wird herausgearbeitet, wie Aufenthalte in natürlicher Umgebung Stress mindern, die Aufmerksamkeit stärken und das allgemeine Wohlbefinden verbessern können. Die Autoren diskutieren mögliche Mechanismen und stellen fest, dass Naturerfahrungen einen klaren, positiven Beitrag zur mentalen Gesundheit leisten. Sie weisen aber auch auf Limitationen und Bedarf an weiterer Forschung hin.
Friedmann, L., Gaggermeier, A., Suda, M., Schreiber, R., Schuh, A., & Immich, G. (2018). Die Heilkraft des Waldes. LWF aktuell 42018.
Dieser populärwissenschaftliche Artikel fasst verschiedene Forschungsergebnisse zusammen. Der Fokus liegt auf den gesundheitlichen Vorteilen des Waldes, etwa für Herz-Kreislauf, Immunsystem und psychisches Wohlbefinden. Die Erkenntnisse werden für eine breite Leserschaft verständlich dargestellt und mit Beispielen aus der Praxis ergänzt.
https://ihrs.ibe.med.uni-muenchen.de/team/wiss_mitarbeiter/immich/friedmann2018_heilwirkung_wald.pdf
Li, Q. (2010). Effect of forest bathing trips on human immune function. Environmental Health and Preventive Medicine, 15(1), 9–17.
Die Publikation fasst mehrere Studien zusammen, in denen Teilnehmende an 3‑Tage/2‑Nächte‑Waldbesuchen teilnahmen. Danach wurden erhöhte Anzahl und gesteigerte Aktivität natürlicher Killerzellen (NK‑Zellen) gemessen; diese Zellen spielen eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Viren und bei der Erkennung und Eliminierung entarteter Zellen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Aufenthalte im Wald kurzfristig messbare, positive Effekte auf bestimmte Immunparameter haben.
Die Befunde stammen überwiegend aus mehreren kleinskaligen Feldstudien, die nicht immer randomisiert waren und teils nur wenige Teilnehmende hatten. Daher sind Aussagen über direkte Ursache‑Wirkungs‑Beziehungen und die Übertragbarkeit auf die gesamte Bevölkerung mit Vorsicht zu interpretieren.
https://environhealthprevmed.biomedcentral.com/articles/10.1007/s12199-008-0068-3
Li, Q. et al. (2008). A forest bathing trip increases human natural killer activity and expression of anti-cancer proteins in female subjects. Journal of Biological Regulators & Homeostatic Agents, 22(1), 45–55.
Die Studie von Li et al. (2008) zeigt, dass mehrtägige Waldbesuche mit messbaren biologischen Effekten verbunden sind: Teilnehmende wiesen nach den Aufenthalten höhere Zahlen und eine gesteigerte Aktivität natürlicher Killerzellen sowie erhöhte Spiegel anti‑tumoraler Proteine (z. B. Perforin, Granzym, Granulysin) auf, was darauf hindeutet, dass Waldaufenthalte kurzfristig das Immunsystem stärken können. Gleichzeitig ist wichtig zu betonen, dass diese Ergebnisse aus kurzzeitigen Messungen in vergleichsweise kleinen Studien stammen; daher sind Langzeiteffekte, direkte Aussagen zur Krankheitsprävention und die Übertragbarkeit auf die gesamte Bevölkerung noch nicht abschließend belegt.
Li, Q. et al. (2009). Effect of phytoncide from trees on human natural killer cell function. International Journal of Immunopathology and Pharmacology, 22(4), 951–959.
In dieser Publikation steht die Wirkung spezieller Duftstoffe aus Bäumen, sogenannter Phytoncide, auf die Immunabwehr im Mittelpunkt. Nach dem Einatmen dieser Stoffe erhöhte sich bei den Teilnehmenden die Aktivität der natürlichen Killerzellen. Die Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass Waldluft einen direkten positiven Effekt auf das Immunsystem hat.
Park, B. J. et al. (2009). Physiological effects of forest recreation in a young conifer forest in Hinokage Town, Japan. Silva Fennica, 43(2).
Die Studie erforschte, wie sich der Aufenthalt in einem jungen, japanischen Nadelwald auf die körperlichen Stressparameter auswirkt. Bei den Probanden wurden Puls, Blutdruck und Stresshormone gemessen. Durch den Waldaufenthalt sanken diese Werte deutlich, was auf eine stressreduzierende und entspannende Wirkung hindeutet.
https://www.silvafennica.fi/article/213
Park, B. J. et al. (2010). The physiological effects of Shinrin-yoku: evidence from field experiments in 24 forests across Japan. Environmental Health and Preventive Medicine, 15(1), 18–26.
Untersucht wurden die physiologischen Effekte von Shinrin-yoku („Waldbaden“) in 24 japanischen Wäldern. Die Ergebnisse zeigen, dass der Aufenthalt im Wald zu einer Senkung von Blutdruck, Puls und dem Stresshormon Kortisol führt. Die positiven Veränderungen traten bei vielen unterschiedlichen Probandengruppen auf.
https://environhealthprevmed.biomedcentral.com/articles/10.1007/s12199-009-0086-9
Song, C. et al. (2014). Physiological and psychological responses of young males during spring-time walks in urban parks. Journal of Physiological Anthropology, 33, 8.
In dieser Studie wurde der Spaziergang im urbanen Park mit dem Aufenthalt in geschlossenen Räumen verglichen. Die jungen Männer, die im Frühjahr im Park gingen, zeigten entspanntere Puls- und Blutdruckwerte sowie eine verbesserte Stimmung. Die Autoren folgern, dass Naturerfahrung kurz- und mittelfristig das psychische und körperliche Wohlbefinden fördert.
https://environhealthprevmed.biomedcentral.com/articles/10.1007/s12199-009-0086-9
Tsunetsugu, Y. et al. (2007). Physiological effects of Shinrin-yoku in an old-growth broadleaf forest in Japan. Journal of Physiological Anthropology, 26(2), 135–142.
Hier wurde der Effekt von Aufenthalten in einem alten Laubwald auf physiologische Stressindikatoren untersucht. Bereits bei kurzen Waldaufenthalten kam es zu einer Senkung des Blutdrucks und einer Beruhigung des Nervensystems, was einen Zusammenhang zwischen der natürlichen Umgebung und Stressabbau nahelegt.
https://www.jstage.jst.go.jp/article/jpa2/26/2/26_2_135/_article
Sehenswert, kompakt zusammengefasst:
https://www.ardmediathek.de/video/wissen-vor-acht-mensch/warum-tut-uns-die-natur-so-gut-hoerfassung/ard/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3dpc3NlbiB2b3IgYWNodCAtIG1lbnNjaC8yMDI1LTEwLTIzXzE5LTQ1LU1FU1ovYXVkaW9kZXNrcmlwdGlvbg

